100. Geburtstag Sr. Ludgera

„So viel Theater wegen zwei Nullen“, findet Sr. M. Ludgera Haberstroh reichlich übertrieben. Beim Fototermin vor ihrem 100. Geburtstag steht sie vor einem großen Wandteppich, der eine Darstellung des Sonnengesanges zeigt. Sie selbst hat ihn gestaltet und hergestellt. Wie so Vieles, was auf dem Klosterberg (und nicht nur dort) aufgehängt und ausgestellt ist. Das ist ihr Lebenswerk: die Verkündigung mit Bildern und Symbolen. Bilder, die Menschen ansprechen, Zugänge ermöglichen, zur Besinnung und Vertiefung einladen. In der Datenbank des Klosters wird als Beruf von Sr. Ludgera „Stickerin“ ausgewiesen. Das ist ihr Handwerk. Mit dieser Fertigkeit gibt sie ihrer tiefen Spiritualität und Gedankenwelt sichtbaren Ausdruck. In der früheren Mutterhauskapelle haben ihre großen Glasfenster mit Motiven aus dem Rosenkranz und dem Leben des heiligen Franz von Assisi jahrzehntelang die Gottesdienstbesucher begleitet und im Gebet inspiriert . Für ihre Heimatkirche in Hardt hat sie 14 Kreuzwegstationen und zwei Fahnen gestaltet und hergestellt, im Innenhof der Liebfrauenkirche in Frankfurt ist ein großes Mosaik von ihr zu sehen – natürlich mit einer Darstellung des Sonnengesangs. 

Der Sonnengesang - dieses Motiv hat sie so oft künstlerisch umgesetzt wie kein anderes. Da war es ihr ein Anliegen, einen neuen Blick darauf zu ermöglichen. „Den Bruder Tod habe ich gerne als Engel dargestellt. Der holt den Franziskus in liebender Umarmung und hat so gar nichts Beängstigendes und Erschreckendes“, erklärt sie bei der Betrachtung ihres Wandteppichs. Einmal hat sie den Franziskus auch im Feuer dargestellt, für sie „die höchste Form der Liebe. Er steht mitten im Feuer, aber das Feuer verzehrt ihn nicht“.
Dass noch heute in vielen Kirchen Gewänder und liturgische Textilien mit ihren Stickereien getragen werden, erfüllt sie zutiefst. Das sei eucharistischer Dienst, habe ihr einmal ein Pater gesagt. In diesem Dienst sieht sie sich wohl aufgehoben. „Ich will Jesus verkünden, im Bild. Das ist eigentlich schon das Höchste gewesen“. Jesus dienen, der ja selbst am meisten dient, ergänzt sie noch. Heute feiern wir mit Sr. Ludgera 100 Jahre Leben und wünschen ihr Gottes reichen Segen.