Aus Gidö – Hiliweto
berichtet Sr.Anna, die Leiterin des Kinderdorfes unter anderem davon, wie das gemeinsame Leben in dieser „Großfamilie“ für die Kinder eine große Hilfe ist, ihre Schicksale zu verarbeiten:
Tao`öli , ein Kind aus unserem Kinderdorf, erzählte am vergangenen Sonntag seine Erfahrung, wie er bei der großen Überschwemmung im Gomogebiet seine Eltern und seine jüngeren Geschwister, sowie sein elterliches Haus und alles was die Familie besaß, verlor.
Manche hatten von diesem Ereignis schon mal gehört, aber dass es jetzt hier von dem einzig hinterbliebenen Kind der betroffenen Familie erzählt wurde und dass dieses nun fähig ist, dieses harte Erlebnis selber vor allen zu erzählen , das machte alle betroffen.
Das Ereignis geschah im August 2002, als bei Nacht ein fürchterlicher Regen hernieder prasselte und innerhalb kurzer Zeit das breite Tal des Gomoflusses füllte und überschwemmte, ein Tal mit fruchtbaren Reisfeldern, Häusern und Strassen und dabei in kurzer Zeit Mensch und Tier mit sich fortriss. Darunter war auch das elterliche Haus mit den Eltern und den jüngeren Geschwistern unseres Tao`öli. Gerade in dieser Nacht durfte Tao`öli bei seinen Großeltern übernachten, sodass er dieser tödlichen Flut nicht zum Opfer fiel. Als er von dem Unglück hörte, fühlte er sich total zerschlagen und tief traurig. Vor allem als er hörte dass seine Eltern und Geschwister in der Flut ertrunken sind. Er wurde dann anschließend zum elterlichen Haus gebracht, wo alles nur noch Ruinen waren und er sah seine Eltern und Geschwister tot dabei liegen. Er war einfach nur sprachlos und sehr, sehr traurig.
Nach der großen Überschwemmungskatastrophe kamen viele Helfer und boten ihre Dienste an. Auch materielle und finanzielle Hilfen wurden großzügig angeboten und eingesetzt. Ein Pater brachte Tao`öli zu seiner eigenen Familie und bat dass er dort Unterschlupf und Hilfe findet. Aber es zeigte sich, dass Tao`öli schwer zu bändigen und schwierig war zum Erziehen und auch die Familienangehörigen des Paters, dem Kind nicht in rechter Weise helfen konnten. Schließlich sprach der Pater mit den Schwestern des Kinderdorfes und so wurde Tao`öli in das Kinderdorf San Antonio zur Pflege, Erziehung und zur schulischen Ausbildung gegeben.
In der ersten Zeit war Tao`öli auch im Kinderdorf sehr schwierig. Sowohl in der Schule wie auch im Haus hatte und machte er Probleme. Jetzt ist er schon in der 6. Volksschulklasse (nach der 6. Klasse endet in Indonesien die „Grund- und Hauptschule“) und es zeigen sich bei ihm inzwischen positive Veränderungen. Er zeigt sich erwachsener in seinem Denken und in seinem Tun und es treten bei ihm nicht mehr so viele Probleme auf. Als er seine Erfahrungen betreffs der Überschwemmungskatastrophe erzählte, waren viele seiner kleinen Mitbewohner betroffen und traurig. Aber das Wichtigste ist jetzt für Tao`öli, dass er fähig geworden is , diese bitteren Ereignisse zu sehen und über diese harte Lebenserfahrung zu reden. Er war sehr traurig beim Erzählen, doch dass er darüber erzählen konnte, ist für ihn schon eine große Leistung und ein wichtiger Fortschritt.
Solche lebensschicksalhafte Berichte der Kinder, sind für viele andere Kinder die es hören, noch ganz neu, auch wenn sie schon länger zusammen leben. Aber sie lernen dadurch einander besser kennen und erfahren dabei auch, dass nicht nur sie selber, sondern auch die anderen ebenfalls Schweres mitgemacht haben. Ebenso werden die Kinder beim Anhören solcher Erfahrungen selber angeregt und ermutigt, ihre eigenen schwierigen Erfahrungen mitzuteilen.
Damit lernen die Kinder immer besser einander kennen und bereichern sich gegenseitig dadurch.
Am Schluss ihres Briefes schreibt Sr. Anna:
Wir wollen allen guten Menschen danken, die uns mit ihrer Hilfe unterstützen und uns ein Leben hier im Kinderdorf und eine schulische Ausbildung ermöglichen.
An Euch alle herzliche Grüße!
Das einzige was wir dafür geben können, ist unser Gebet für Euch und unser Wunsch, dass Gott Euch alle segnen und alles Gute vergelten möge!
(Februar 2008)









