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Sr. M. Eumenia feiert ihren 100. Geburtstag - oder ... "Die Jungen werden auch jeden Tag älter!"


Sr. M. Eumenia wurde am 20.11.1909 in Sulmingen geboren, ihr 100. Geburtstag ist Anlass zur Freude, zum Feiern und zu einem Rückblick auf über 99 Lebensjahre.
Wir Franziskanerinnen sind dankbar für das Leben und Wirken unserer Mitschwester durch so viele Lebensjahre.

100 Jahre zu werden ist etwas Besonderes, freuen Sie sich denn besonders auf diesen Geburtstag?
So wie’s der Herrgott macht, so ist es recht. Die, die jetzt noch jung sind müssen sich ja auch drauf einstellen, dass sie alle Tage älter werden. Ich bin zufrieden, wie es grad ist.

Was waren wichtige Stationen in Ihrem Leben?
Meine Heimat ist Sulmingen. Ich hab noch vor dem Kloster das Nähen gelernt. Mit 25 Jahren bin ich, 1935 ins Kloster eingetreten. 1937 hatte ich Einkleidung und `38 Profess. Dann hab ich beim Nähen ausgeholfen.

Warum sind Sie eigentlich Franziskanerin geworden?
Der heilige Franziskus hat mich angezogen. Ich hab mir andere Klöster auch angeguckt und dort Exerzitien gemacht, mir hätt’ die Kleidung nicht zugesagt oder ich hätte nicht dorthin gepasst und in Reute, da war ich auch zu Exerzitien, da hat mich eine kleine Schwester, der Name fällt mir nicht ein, angezogen… und der heilige Franziskus!

Was ist, rückblickend, Ihre Erfahrung durch all die Jahre des Ordenslebens?
Mir hat’s gefallen, ich hab nix andres wollen. Ich hab mich Gott weihen wollen.
Und wie geht das, sich Gott weihen?
Sie richtet sich auf und lacht: Das lernt man erst durchs Leben!
Wie war das konkret bei Ihnen?
Für mich sind drei Worte wichtig: Mensch, Glaube und Gott. Mit Gott muss man sich immer beschäftigen. Jung lernt man da leichter und denkt dass man noch viel Zeit dazu hat. Derweil vergeht die Zeit so schnell … und alt lernt man auch noch (sie macht eine Pause, tippt sich an die Stirn) aber da vergisst man schon wieder mehr!

Wir kommen auf ihre unterschiedlichen Einsatzorte zu sprechen: Rechberghausen, Bodnegg, Igisheim, Söflingen, Hüttlingen und schließlich noch an die 30 Jahre in der Schneiderei.

Sr. Eumenia, Sie haben ja nun schon 99 Jahre und ganz unterschiedliche Zeiten erlebt. Was sehen Sie als Typisch an für die heutige Zeit?
Der heutige Mensch will das Leiden verdrängen. Ich denk manchmal wie leiden da an einer unheilbaren Krankheit. Der Herrgott starb für uns am Kreuz und wir wollen das Leiden nicht annehmen. Auch ist der heutige Mensch oft aufs Geld aus. Aber Geld ist nicht Alles! Und die Zeit…ich denk mir: Gott hat die Zeit geschaffen und der Mensch die Hetze – das ist nicht Recht!

Sie erzählt von den harten, in großer Armut verbrachten Kriegsjahren, die sie als Kind im ersten bzw. als Schwester im zweiten Weltkrieg erlebt hat. Sie erinnert sich an die Hilfe, die man sich in der Nachbarschaft, bzw. der Ort-schaft selbstverständlich gab und an persönliche Krankenhausaufenthalte dieser Zeit. Sie erzählt auch von den Schwierigkeiten der Nachkriegszeit, als das Filial in einer anderen Besatzungszone lag als das Mutterhaus und Besuche erst gar nicht und dann nur unter strenger Kontrolle möglich waren. „Das Leben lehrt einen“, sagt sie ...

Was raten Sie, mit ihrer Lebenserfahrung, den jungen Menschen heute?
Ich denk der heutige Mensch ist zu viel auf’s Geld aus. Die Jungen sollten wissen, dass Geld nicht alles ist! Man muss sich immer an Gott halten und das Beten nie vergessen! Jeden Tag beten. Man muss ja nicht in einem fort beten, aber jeden Tag!

Haben Sie denn ein Lieblingsgebet?
Jetzt heißt es für mich: „Näher mein Gott zu dir“ und wie der heilige Franziskus betete: „Mein Gott und mein Alles“

Haben Sie einen bestimmten Wunsch zum 100. Geburtstag?
Sie schüttelt den Kopf. Bloß das Gebet, ich brauch’s noch!

Und wie stellt sich unsere älteste Mitschwester die Zukunft, den Himmel, die Ewigkeit vor?
Mit fester Stimme meint sie: Ich glaub in der anderen Welt werden wir schauen, schauen, schauen! Und staunen, danken und loben! Wir können uns das gar nicht vorstellen, wenn wir uns dort alle wiedersehen und wen wir alles wieder sehen werden. Ich denk, der Mensch, wenn er recht leben will braucht viel Platz, der Geist braucht keinen Platz! So kann der Geist dann mal jeden Tag eine Weltreise machen.

 

 

Augenblicke vom Festtag am 20.11.09



Gemeinsam feiern wir und freuen uns über den

100. Geburtstag von Sr. Eumenia.

Ein Glückwunschständchen der Mitschwestern

Bürgermeister R. Weinschenk und Ortsvorsteher L. Grobe gratulieren persönlich

...sogar Glückwünsche von Bundespräsident H. Köhler treffen ein...

... welch eine Freude!

Noch ein Gruppenbild, dann geht's zum Feiern!
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