Die Aufgabe der Christen 20 Jahre nach dem Mauerfall
Vortrag von Bischof Leo Nowak aus Magdeburg am 9.11.2009
Bischof Leo Nowak war am 9.11.2009 aus Magdeburg ins Kloster Reute gekom-men, um über „die Aufgabe der Christen 20 Jahre nach dem Mauerfall“ zu spre-chen. In seiner Begrüßung bezeichnete Theodor Pindl es als „große Geste“, dass Bischof Nowak nach Reute gekommen sei, ein „Symbol für das nach wie vor wichtige und immer notwendige Auf-einander-Zugehen“. Bischof Leo Nowak, der von 1990 bis 2004 in Magdeburg wirkte, machte in seinem Vortrag mit großer Eindringlichkeit deutlich, was es bedeutete, in einem „aufgezwungenen sozialisti-schen Staat“ zu leben und die mit der Wende verbundene, zunächst ungewohnte Freiheit neu zu spüren. „Sie müssen sich einen dunklen Raum vorstellen. Wenn es hell wird, ist man erst einmal geblendet.“ Für den Bischof, der als geschätzter Seelsorger die Kirche durch die bewegte Zeit des politischen Umbruchs nach 1989 führte, beginnt Evangelisierung „auf uns hin, indem die Leute Fragen stellen." Die Kirche müsse bei den Menschen sein. „Wenn die Leute nicht in die Kirche kommen, muss die Kirche eben zu den Leuten kommen“, wie Nowak betonte. Dabei dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Glaube auch anderen etwas zu sagen hat.
In seinem Vortrag warb Bischof Nowak dafür, das Christentum immer wieder als eine Bereicherung für das Leben der Menschen zu sehen. Dieser offene Blick werde zwar oft von Kirchenstrukturen verstellt – „ich habe den Eindruck, auf unserer Kirche liegt etwas wie eine große Last“ – , doch dürfe man sich davon nicht entmu-tigen lassen. Auf Zukunft hin sind für ihn drei Punkte wichtig: Man müsse die Relativität des Lebens anerkennen, seine Existenz als „verdankte Existenz“ erken-nen, und davon leben, „dass wir immer in guter Hoffnung sind.“ Christentum müsse eine „Hoffnungsreligion“ werden, wenn es Zukunft haben will. Sr. Paulin bedankte sich bei Bischof Nowak für das authentische Zeugnis, das er den über 100 anwe-senden Gästen gegeben habe, und die aufbauenden Worte, die den Anwesenden aus der Seele gesprochen hätten. Alle Anwesenden sangen zum Ausklang das Lied „Herr, gib´ uns Deinen Frieden!“









