Besuch aus dem Himalaya
Buddhistische Nonnen und franziskanische Schwestern begegnen sich.
Außergewöhnliche Gäste besuchten in letzter Zeit das Kloster Reute. Die tibetisch-buddhistischen Ordensfrauen Dr. Tsering Palmo und ihre Mitschwester Angmo, die zugleich ihre leibliche Schwester ist, erzählten von ihrem Werk, der „Ladakh Nuns Association“.
Ladakh / Indien liegt im nordwestlichen Himalayagebiet.
Zustande kam der Abend über eine unserer Mitschwestern, die mit der „Tibet-Initiative“ -Gruppe in Kempten befreundet ist.
In einer Zeit, in der sich die Vertreter der großen Weltreligionen wiederholt zum Gebet für den Weltfrieden und zum gegenseitigen Sich Kennen- und Verstehen lernen treffen - und das in Assisi, der geistigen Heimat aller franziskanischen Orden und Gruppen - kann vielleicht auch der Abend in Reute ein kleiner Baustein in diese Richtung sein.
Die Ladakh Nuns Association ist eine verhältnismäßig junge Vereinigung von buddhistischen Nonnen, der ein Konzept zugrunde liegt, das sowohl die alte buddhistische Tradition weiterführt, gleichzeitig offen ist für die Herausforderungen unserer Zeit und den Bedürfnissen der heutigen Menschen.
Die Leiterin, Dr. Palmo ist gebürtig von einem Dorf nahe der Hauptstadt von Ladakh, Leh; seit 1991 ist sie Nonne. Sie studierte in Dharamsala Medizin, entschied sich in dieser Zeit, Nonne zu werden und kam dann als ausgebildete Ärztin in tibetischer Medizin zurück.
1996 gründete sie die o. g. Assoziation; es ist ein Verbund von inzwischen mehreren Klöstern.
Die Assoziation setzt sich zur Aufgabe, das Bildungsniveau der Nonnen anzuheben und ihnen Sicherheit zu geben, indem die jungen Nonnen buddhistischen Studien nachgehen, sich weltliches Wissen und lebenspraktische Fähigkeiten aneignen können.
Eine Reihe der Nonnen machen Studien in tibetischer Medizin, Ausbildungen als Lehrerinnen, Krankenschwestern und Sozialarbeiterinnen.
Für diesen Weg der Bildung und Ausbildung waren ihr, wie Dr. Palmo mehrfach erwähnte, die katholischen Schwestern, die sie in Indien kennen gelernt hat, ein großes Vorbild.
Der Abend war ein kleiner Einblick in eine uns recht fremde und ferne Welt. Viele Fragen standen im Raum, die leider nicht mehr zur Sprache kommen konnten.
„Ich hätte gern noch soviel mehr über die beiden Glaubensrichtungen gewusst bzw. auch über die Lebenswege“ schrieb eine Teilnehmerin, die zum Abend gekommen war.
Was jedoch deutlich wurde, ist, dass Religion, wenn sie existenziell und tief erfahren und gelebt wird, eine Kraft entfaltet, die weit über die Sorge um das eigene Heil hinaus den Blick weitet auf den bedürftigen und leidenden Mitmenschen, auf den Reichtum der Schöpfung und auch auf die Notwendigkeit der Sorge für die Schöpfung.
(Ein ausführlicherer Bericht über diese Begegnung von Ordensfrauen verschiedener Religionen und Kulturen erscheint in Kontinente Nr. 4 09)






