50 Jahre konziliare Erneuerung – Rückblick und Ausblick
Tagung im Kloster Reute am 25.01.2009
Am 25. Januar 2009 jährte sich zum 50. Mal die Ankündigung des Konzils durch Papst Johannes XXIII. Für das Bildungshaus des Klosters Reute war dies der Anlass für eine Rückschau, für eine Ortsbestimmung und für einen Blick in die Zukunft kirchlichen Lebens. Die beiden Referenten der Tagung, P. Peter Henrici SJ und Prof. Ottmar Fuchs, betonten die nach wie vor anhaltende und immer wieder neu zu bedenkende große Bedeutung des Konzils für die Erneuerung des Glaubens und für die Zuwendung der Kirche zu allen Menschen.
![]() Prof. Dr. Ottmar Fuchs |
Prof. Dr. Ottmar Fuchs, Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Theologie an der Universität Tübingen, zitierte in seinem Beitrag als Beleg für die befreiende und öffnende Wirkung, die das Konzil brachte, aus einem der letzten Texte Johannes XXIII.: „Mehr denn je, bestimmt mehr als in den letzten Jahrhunderten, sind wir heute darauf ausgerichtet, dem Menschen als solchem zu dienen, nicht bloß den Katholiken, darauf, in erster Linie und überall die Rechte der menschlichen Person und nicht nur diejenigen der katholischen Kirche zu verteidigen… Nicht das Evangelium ist es, das sich verändert; nein, wir sind es, die gerade anfangen, es besser zu verstehen.“ Für Fuchs ist das Konzil ein „Umkehrkonzil“, denn es wollte eine Veränderung der Perspektive: Wort und Tat, Bekenntnis und Wirklichkeit, Dogma und Pastoral sollten nicht losgelöst voneinander, sonder wieder enger miteinander verbunden sein. Eine Herausforderung insbesondere für das diakonische Handeln der Kirche, in dem sich das pastorale Handeln wie in einem Brennspiegel verwirklicht. „Wie verausgabt sich die Kirche in den Leidenden?“, das ist für Fuchs eine zentrale Frage und kritische Anfrage. Die „Seele aller Konzilstexte“ sei die die universale Zuwendung des Heils an alle Menschen, ohne Ausnahme. Glaube ist das Bewusstsein der Liebe Gottes und keine „wenn-dann-Geschichte“.
![]() Prof. Dr. Peter Henrici SJ |
Für den Jesuitenpater und emeritierten Weihbischof Peter Henrici kam das Konzil „wie ein Blitz aus heiterem Himmel oder besser wie eine freudige Überraschung“. Für Henrici, der seit den 50er Jahren als Student und dann ab 1960 als Professor für Philosophiegeschichte an der Päpstlichen Universität Gregoriana die Ereignisse das Konzil aus nächster Nähe beobachten konnte, ist das neueste am Konzil, dass es sich an alle Menschen wendet, nicht nur an alle Gläubigen. Gerade die eigentlich „neuen“ Texte des Konzils, für die es keine geschichtlichen Vorbilder gab – Gaudium et Spes und die Erklärungen über die Religionsfreiheit und über die nichtchristlichen Religionen – betreffen auch die Menschen, die außerhalb der Kirche leben. „Der Sohn Gottes hat sich in seiner Menschwerdung in gewisser Weise mit jedem Menschen vereinigt“, wie Henrici aus der „Pastoralkonstitution“ zitierte (Gaudium et Spes 22). Noch nie zuvor sei der allgemeine Heilswille Gottes, der keinen Menschen ausschließt, so sehr zum tragenden Grundgedanken kirchlicher Aussagen geworden wie hier. „Es ist nicht von ungefähr, dass sich der Widerstand gegen das Konzil in erster Linie gegen diesen allgemeinen Heilswillen Gottes gerichtet hat – ausdrücklich im nachkonziliären Schisma Erzbischof Lefebvres und oft verkappt hinter dem Widerstand gegen gewisse liturgische Formeln oder gegen eine ökumenische Öffnung“, wie Henrici anmerkte.
Im anschließenden „Dialog-Café“ hatten die 50 Teilnehmer der Tagung ausreichend Gelegenheit zu Dialog und Erfahrungsaustausch. In den Rückmeldungen der Teilnehmer kam zum Ausdruck, wie treffend die Referenten die konziliare Situation vor 50 Jahren, die ambivalente Rezeptionsgeschichte und die Notwendigkeiten heutiger Pastoral charakterisierten. Für viele der Anwesenden, die in der Konzilszeit aufgewachsen sind und von der Begeisterung der damaligen Zeit geprägt wurden, ist das Konzil nach wie vor ein zentraler Motivationsimpuls für ihr Handeln in Kirche und Welt. Allerdings, so die überwiegende Meinung, sei das Konzil noch immer nicht oder zu wenig umgesetzt. Viele Stimmen wünschen sich sogar ein neues Konzil. Jedenfalls sei die Ära des Konzils keineswegs zu Ende. Die intensiven Gespräche während des „Dialog-Cafés“ zeigten, wie die Kirche auch heute noch begeistern kann, „wenn sie sich so mutig, großherzig und dem Menschen zugewandt zeigt wie zu Konzilszeiten“, wie eine Teilnehmerin sagte. Das Konzil hat weder an Aktualität eingebüßt noch ist es museal geworden. Wie damals so gilt es auch heute, „die Zeichen der Zeit zu erkennen, die von ihnen gebotenen Möglichkeiten zu ergreifen und in die Zukunft zu blicken“ (Johannes XXIII.).











